Es geht los. Endlich nach 14 Monaten im Verlag habe ich heute meine Reise zum Volontariats Kurs in Hamburg angetreten. Viel Zeit sich auf den Kurs vorzubereiten hatte ich nicht. Letzte Woche standen Dienstreisen auf dem Programm und natürlich mussten die Artikel dazu geschrieben werden. Freitagnachmittag um 16 Uhr hatte ich es jedoch geschafft: die Texte für die nächsten Ausgaben geschrieben, das Übergabeprotokoll verfasst, die Blumen gegossen und die Kameratasche gepackt.
Nachdem ich den Tag mit dem Packen des Koffers, oder besser gesagt des Rucksacks, verbracht habe, fuhr ich nach 16 Uhr zum Bahnhof. 16,7 kg hatte ich zu schleppen, oder besser gesagt mein Freund. Pünktlich rollte der IC in den Bahnhof ein und nach einigen Tumulten am Bahnsteig, konnte ich meinen Platz suchen. Zum Glück war ein Sitzplatz reserviert – rückwärtsfahrend, Fensterplatz am Tisch im Großraumabteil. Mir gegenüber saß eine Mutter mit ihrem Kind. Der Junge – wahrscheinlich nicht älter als 1 Jahr – brabbelte unablässig vor sich hin. Die ältere Dame neben mir seufzte ab und an und schaute genervt von ihrem Buch auf. Unglaublich interessant schien mein mp3-Player zu sein, den ich auf dem Tisch platziert hatte. Ständig versuchte er darauf zu zu robben und danach zu greifen. Jedes Mal zog die Mutter ihn zurück und versuchte ihn anderweitig zu beschäftigen. Irgendwann schaffte er es fast bis auf meinen Schoß, als seine Mutter ihn erneut zurückzog. Was zurück blieb war Sabber, zum Glück nur auf dem Tisch.
In Lüneburg wurde es plötzlich leer im Zug. Ich ärgerte mich beim Blick aus dem Fenster, dass es doch schon so dunkel draußen war. Draußen blitzte Wasser im Hafen und Leuchtreklame zischte vorbei. Am Bahnhof Dammtor musste ich aussteigen und vor der Tür erwartete mich das typische Hamburger Wetter: Nieselregen und Wind.
Nach kurzer Orientierung machte ich mich auf den Weg Richtung Akademie. Die Überquerung der 5 Ampeln dauerte in etwa genauso lange, wie die restlichen 300 m zum Haus. Nach Eingabe des Codes öffnet sich summend die Tür und dahinter schlägt mir der Duft von Pfirsich-Putzmittel entgegen. Der Fahrstuhl passt gerade so in das enge Treppenhaus und bringt mich schnell in den 4. Stock. Mein Name klebt am Appartement 2 und der Schlüssel hängt daneben. Das Zimmer sieht genauso aus wie auf den Fotos im Internet. Schlicht, etwas steril, aber gemütlich.
Meinen Rucksack habe ich schnell aufgeräumt und sonstige Mitbringsel auf Tischen und im Bad verteilt. Der Hunger treibt mich nach draußen. Vor der Tür sitzt ein Mädchen und raucht – sie stellt sich als Kristina vor und wohnt im Doppelappartement. Beim Asiaten im Bahnhof hole ich mir Curry und vom Bäcker Brötchen für morgen früh. Der Abend endet mit dem Tatort im Fernsehen und anschließend der Talkshow mit Günther Jauch zum Thema Mindestlohn.

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